Kunst, Kultur & Gesellschaft

Stolz und Vorurteil – Juden im Blick

Eine Ausstellung von JEWLIF und der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum. Vom 28. August bis 17. November 2026 in der ehemaligen Frauenempore der Neuen Synagoge Berlin.
Titelmotiv der Ausstellung Stolz und Vorurteil, Juden im Blick, doppelt belichtetes Porträt mit dem Ausstellungstitel in Lavendel © Key Visual: JEWLIF

Woher weiß eine KI, wie Juden aussehen?

Woher wissen Sie es? Und kann es überhaupt ein Bild von Jüdinnen und Juden geben, das der Vielfalt jüdischer Lebenswirklichkeiten und ihrer widersprüchlichen Geschichte gerecht wird?

Versuche, dieses Bild zu kreieren, hat es immer gegeben, in der Kunstgeschichte, in Hollywood und neuerdings auf Social-Media-Plattformen wie TikTok. Der Filmemacher Nico Beyer hat diesen Versuch unternommen. Seine hier ausgestellten Kurzfilme sind Porträts, Miniaturen jüdischer Gegenwart in Europa. Als skizzenhafte Einblicke zeigen sie, mit welchem Stolz, Zweifel und welcher Normalität sich ihre jüdischen Protagonist:innen vor der Kamera inszenieren. Das Credo: viele Bilder statt des einen Bildes von Jüdinnen und Juden.

Nur sind auch diese vielen Bilder umkämpft. Sie müssen sich gegen den Blick von außen, die Zuschreibungen einer nichtjüdischen Mehrheit, ebenso behaupten wie im innerjüdischen Ringen um Repräsentation. Wer zeigt hier wen und wie?

Filmstill aus der Kurzfilmreihe 60sec.mentsh: Porträt hinter einer Glasscheibe © Foto: Nico Beyer © 2026 JEWLIF, Jüdisches Leben in Europa e.V.
Filmstill aus der Kurzfilmreihe 60sec.mentsh: ein Mann sitzt am Wasser vor einem Steg © Foto: Nico Beyer © 2026 JEWLIF, Jüdisches Leben in Europa e.V.
Filmstill aus der Kurzfilmreihe 60sec.mentsh: eine Person vor einer leuchtenden Rauminstallation © Foto: Nico Beyer © 2026 JEWLIF, Jüdisches Leben in Europa e.V.

Die Kurzfilme

Die Kurzfilmreihe 60sec.mentsh von Jüdisches Leben in Europa e. V. (JEWLIF) porträtiert in Folgen von je sechzig Sekunden Menschen, die sich dem Judentum zugehörig fühlen, ohne Kommentar und ohne Erklärung. Regisseur Nico Beyer hat dafür unter anderem in Berlin, London, Paris, Rom und Amsterdam gedreht. Leben, die kein Muster ergeben.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl an Filmen der Kurzfilmreihe.

Weitere Filme auf mentsh.eu/60sec

Die Audioinstallation

Hörbar werden diese Behauptungskämpfe in der Audioinstallation, die Nico Beyers Filme umgibt. Sie versammelt Stimmen zu allen Schwierigkeiten, die der heutige Blick auf Jüdinnen und Juden mit sich bringt: Stereotype, KI-Fakes, antiisraelische Bildpropaganda. Und die Frage, ob es jenseits der antisemitischen Bilderflut ein selbstbestimmtes, wahrhaftiges Bild von Jüdinnen und Juden geben kann.

„Woher weiß die KI, wie Juden aussehen? Woher wissen wir‘s? Und gibt es wirklich Bilder von Juden, die Antisemiten bekehren können? Diese Fragen nach jüdischer Sichtbarkeit stellen sich immer dann, wenn der Antisemitismus besonders krass ist. Ein absurder Anlass also für eine Ausstellung, wie unsere – und gerade deshalb ein dringender.“

Jonathan Guggenberger

Kurator der Ausstellung

„Ich erkläre nichts. Ich zeige einen Menschen, sechzig Sekunden lang. Was danach bleibt, entscheidet der, der zusieht.“

Nico Beyer

Regisseur der Kurzfilmreihe 60sec.mentsh

„Die Bilder von Jüdinnen und Juden machen fast immer andere. In 60sec.mentsh machen sie die Menschen selbst, sechzig Sekunden lang, ohne Kommentar. In der Ausstellung bekommen diese Bilder Stimmen. Wer danach noch ein Bild im Kopf hat, hat es sich selbst gemacht.“

Andrei Kovacs

Generalsekretär

Ausstellungsort

Stiftung Neue Synagoge Berlin, Centrum Judaicum

Die Ausstellung ist in Kooperation mit der Stiftung Neue Synagoge Berlin, Centrum Judaicum entstanden. Gezeigt wird sie in der ehemaligen Frauenempore der Neuen Synagoge. Das Haus an der Oranienburger Straße wurde am 5. September 1866 eingeweiht und ist bis heute ein Ort, an dem jüdische Geschichte und jüdische Gegenwart zusammenkommen.

Ort

Stiftung Neue Synagoge Berlin, Centrum Judaicum
Ehemalige Frauenempore
Oranienburger Straße 28–30, 10117 Berlin

Anfahrt

S-Bahn 1, 2, 25, Oranienburger Straße
S-Bahn 5, 7, 9, 75, Hackescher Markt
U-Bahn 6, Oranienburger Tor
U-Bahn 8, Weinmeisterstraße
Tram M1, M5, Oranienburger Straße

Öffnungszeiten

Sommer: Mo bis Fr 10 bis 18 Uhr, So 10 bis 19 Uhr
Winter: So bis Do 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 15 Uhr
Samstags geschlossen

Auf einen Blick

  • Eröffnung

    Donnerstag, 27. August 2026, 18 Uhr

  • Laufzeit

    28. August bis 17. November 2026

  • Ort

    Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, Oranienburger Straße 28–30, 10117 Berlin

  • Ab 2027

    Wanderausstellung in weiteren europäischen Städten

Gut zu wissen

Für alle, die wissen wollen, wie Bilder von Jüdinnen und Juden entstehen und wer sie prägt. Vorkenntnisse braucht niemand. Schulklassen und Gruppen wenden sich an die Stiftung Neue Synagoge Berlin, Centrum Judaicum.

Sommer: Mo bis Fr 10 bis 18 Uhr, So 10 bis 19 Uhr. Winter: So bis Do 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 15 Uhr. Samstags geschlossen. Eintritt regulär 7,00 Euro, ermäßigt 4,50 Euro, Familienkarte 20,00 Euro.

Eine Klanginstallation aus 32 Mikrofonstativen, von denen 14 klingen. Historische Stimmen in der Klangfarbe alter Rundfunkaufnahmen und synthetische Zukunftsstimmen teilen sich denselben Raum. Wer eintritt, hört Widerspruch statt einer Antwort.

Ja. An der Speaker’s Corner am Ende der Ausstellung sprechen Besucherinnen und Besucher ihren eigenen Beitrag auf. Er läuft danach mit im Raum.

Die Ausstellung ist rollstuhlgerecht zugänglich. Die Gespräche der Audioinstallation lassen sich neben dem Eingang und im hinteren Bereich über Tablets in voller Länge hören. Die Stiftung informiert auf ihrer Besucherseite über Zugänge und Assistenz.

Wer diese Ausstellung möglich macht

Eine Ausstellung von Jüdisches Leben in Europa e. V. (JEWLIF) und der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum. Gefördert durch das Bundesministerium des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, Partner sind die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Jüdische Gemeinde zu Berlin.

Wir danken allen Partnern und Förderern herzlich für ihre Unterstützung.

Logos: Bundesministerium des Innern, JEWLIF, 60sec.mentsh, Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Ihr Kontakt

Maria Claudia Hacker

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Projektleitung Kunst, Kultur und Gesellschaft

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